Projektlernen

„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“ (Josef Anton Bruckner)

Das Lernen in Projekten ist eine besondere Grundform des Lernens. Es gibt sie mittlerweile in schulischen- und außerschulischen Bildungseinrichtungen von der Kindertagesstätte bis zur Erwachsenenbildung. Projekte zeichnen sich aus durch ihren experimentellen Charakter als „offene“ Lernform (Hänsel 1999). Die spezifische Ausprägung dieser Grundform des Lernens in der Schule heißt Projektunterricht oder – oft zutreffender bzw. „ehrlicher“ – projektorientierter Unterricht.

Projektthemen knüpfen an „echten“ Fragen der Beteiligten an und berücksichtigen deren Erkenntnis und Gestaltungswünsche. Sie sind in diesem Sinne erfahrungs-, problemund lebensweltorientiert. Sie können von Fächern ausgehen, sind aber in der Regel fächerübergreifend und mehrperspektivisch angelegt. Alle Beteiligten sind aktiv. Sie einigen sich auf eine Forschungsfrage, verständigen sich über den Weg zur Lösung, entwickeln gemeinsam einen Plan und handeln danach. Lernformen wie Lehrgänge und Trainings werden dort eingesetzt, wo sie für die und bei der Realisierung des jeweiligen Vorhabens gebraucht werden.

Prozess und Produkt, Weg und Ziel sind im Projekt gleich wichtig für das Lernen. Gelernt wird by doing, genauer: learning by thinking about what we are doing. Die knappste Formulierung in diesem Zusammenhang stammt von John Dewey, der von „reflective experience“ (etwa:„denkende Erfahrung“) spricht und damit auf die für erfolgreiches Lernen notwendige Verbindung von Reflexion und Handeln verweist. Lernen wird in diesem Ansatz als von produktiver Irritation ausgehende, laufende Rekonstruktion der eigenen Erfahrung in der Auseinandersetzung mit der Realität betrachtet (Bastian/Gudjons/Schnack/Speth,1997).

Mit Blick auf die Leitziele und angestrebten Produkte lassen sich idealtypisch zwei Projektarten unterscheiden, die in der Praxis in vielfältigen Mischungen und Varianten vorkommen:

  • Projekte, die vorrangig auf das bessere Verständnis komplexer Zusammenhänge, also auf Orientierungswissen ausgerichtet sind.
  • Projekte, die vorrangig auf direkte praktische Problemlösung oder Gestaltung gerichtet sind.

Das besondere Potential des Lernens in Projekten für die Entwicklung demokratischer Handlungskompetenzen ist in allen Varianten offensichtlich:

  • Das Aufgreifen „echter“, individuell und sozial relevanter Fragen und Probleme als Lernanlass begünstigt die Entwicklung von Verantwortungbereitschaft für eine als sinnvoll empfundene Aufgabe.
  • Die dialogische Problembearbeitung in der Projektgruppe begünstigt die Entwicklung von sozialer Kompetenz und Teamfähigkeit.
  • Die Präsentation der gefundenen Ergebnisse vor einer Öffentlichkeit begünstigt die Entwicklung kommunikativer Kompetenz für öffentliche Rede und Diskussion.

In summa: Das Lernen in Projekten entspricht als Sozialform der politischen Figur einer Gruppe mündiger Bürgerinnen und Bürger, die versuchen, ihre Verhältnisse selbstständig und gemeinsam zu gestalten. Schulen und zivilgesellschaftliche Bildungsinstitutionen und –initiativen, die eine Projektkultur mit diesem Selbstverständnis pflegen, sorgen dafür, dass Demokratie als Lebensform gelernt werden, als Gesellschaftsform lebendig bleiben und damit auch als Regierungsform dauerhaft funktionieren kann.

Medien: Literatur, Downloads, Links, Videos
  • Apel, H. J. & Knoll, M. (2001). Aus Projekten lernen. Grundlegung und Anregungen. München: Oldenbourg.
  • Bastian, J. & Gudjons, H. (1986). Das Projektbuch. Hamburg: Bergmann und
    Helbig.
  • Bastian, J. & Gudjons, H. & Schnack, J. & Speth, M. (1997): Theorie des Projektunterrichts. Hamburg: Bergmann + Helbig.
  • Dewey, J. (2009). Wie wir denken (herausgegeben von R. Horlacher & J. Oelkers)
    (2. Auflage). Zürich: Pestalozzianum.
  • Dewey, J. (1997). Experience & Education. New York: First Touchstone Edition.
  • Emer, W. & Lenzen, D. (2009). Projektunterricht gestalten – Schule verändern
    (3. Auflage). Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren.
  • Frey, K. (2010). Die Projektmethode (11. Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Hänsel, D. (1999). Projektunterricht (2. Auflage). Weinheim: Beltz
  • Jostes, M. & Weber, R. (1992). Projektlernen: Handbuch zum Lernen von Veränderungen
    in Schule, Jugendgruppen und Basisinitiativen. Kassel: Weber
    und Zucht.
  • Meyer, H. & M.(2013). Über die Wirksamkeit von Unterrichtsformen. In: Hellmer, J. /Wittek, D.: Schule im Umbruch begleiten. Studien zur Bildungsgangforschung Band 33. S. 35 – 49. Opladen, Berlin & Toronto: Verlag Barbara Budrich.
  • Schumacher, C. & Rengstorf, F. & Thomas, C. (erscheint im August 2013). Projekt: Unterricht – Projektunterricht und Professionalisierung in Lehrerbildung und Schulpraxis. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht
  • Schweder, S. (2009). Neue Chancen für Projektlernen – SCHOLA 21. Berlin: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
  • Seifert, A. & Zentner, S. & Nagy, F. (2012). Praxisbuch Service-Learning – “Lernen durch Engagement” an Schulen. Weinheim: Beltz
  • Steiner, W. & Emer, W. (2007). Demokratiepädagogik und Projektlernen. In: Handbuch für Beraterinnen und Berater für Demokratiepädagogik. S. 51 – 73. Berlin: LISUM

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