3 D Schulentwicklung – für Berliner Schulen

Ausgangssituation

Das Bestehen und die Weiterentwicklung von demokratischen Gesellschaften ist auf soziale und wertegestützte Kompetenzen der Menschen angewiesen, die in demokratische Schulen ihren von Schüler*innen entfaltet werden können. Schulen sind der Raum, in dem Demokratie als Lebensform eingeübt und Begeisterung für diese entfacht werden kann.

Projektansatz

Schulentwicklung in 3 D umfasst alle Entwicklungsvorhaben und Prozesse in Schulen, die sich auf die Förderung des Lernens und Lebens von Demokratie richten. Vereinfacht gesagt: Es geht hier nicht allein um die Bildung von Kindern und Jugendlichen zu mündigen Bürger*innen. Schulentwicklung in 3D beinhaltet darüber hinaus die Gestaltung und Entwicklung von Schulen als einen Lern- und Lebensraum, an dem alle Akteur*innen beteiligt sein können, Verantwortung übernehmen und demokratische Werte gelebt werden.

Nun leben wir in einer hoch pluralisierten Welt, deren Vielfalt sich auch den Klassenräumen unserer Schulen ausdrückt. Ein demokratischer und diskriminierungskritischer Umgang mit dieser Heterogenität entspricht nicht nur den Werten der Menschenrechte, sondern bildet eine wichtige Grundlage für ein demokratisches Miteinander in unserer Gesellschaft. Gleichzeitig zeigt sich dieser Anspruch hier wie dort im Alltag keineswegs als selbstverständlich und ist gerade in Schulen oft mit vielen Herausforderungen verbunden.

Schulentwicklung in 3 D begegnet diesen Ansprüchen und richtet einen Fokus darauf, das gemeinsame Lernen und Leben in Schulen demokratisch, diversitätssensibel und diskriminierungskritisch zu gestalten und weiter zu entwickeln.

 

Schulentwicklung in 3 D schließt an dieses Verständnis von Demokratie lernen an: Sie umfasst pädagogische und organisationale Handlungsweisen von Schulen, die die Entwicklung demokratischer Kompetenzen bei Schüler*innen fördern und die Entwicklung einer demokratischen Lern- und Schulkultur unterstützen.

Die Lern- und Schulkultur beschreibt dabei einen wichtigen Einflussfaktor auf das Lernen und Leben von Demokratie, Diversität und Antidiskriminierung in diesem Sinne. Vereinfacht gesagt sind es besonders die Erfahrungen von Anerkennung und Selbstwirksamkeit, die wichtige Voraussetzungen dafür darstellen, dass Menschen aktiv Verantwortung übernehmen – Verantwortung für sich, für andere und für Demokratie.

Damit Ansätze und Aktivitäten eine Dynamik entwickeln können, die sich als Kultur einer Schule etablieren und alle Personen und Gruppen einer Schule berühren, braucht es eine Schulentwicklung, die möglichst die ganze Schule umfasst: das Schulleben wie auch den Unterricht, die Schüler*innen wie auch die Pädagogischen Fachkräfte, die Schulstrukturen wie auch die Handlungsweisen und Konzepte Schule.

(mehr zu Handlungsfeldern, Bausteinen und Leitsätze für die Schulpraxis)

Geht es um Schulentwicklung wird damit gemeinhin ein andauernder, bewusst gesteuerter und reflektierter Prozess der Entwicklung von Schule im Sinne einer Lernenden Organisationen verbunden. Demokratische Schulentwicklung bezeichnet dabei Schulentwicklungsprozesse, die gekennzeichnet sind durch

  • Partizipation: Es werden möglichst alle Gruppen einbezogen und aktiv beteiligt, zumindest in Form einer repräsentativen Vertretung (Lehrpersonen, ggf. weitere pädagogische Fachkräfte an der Schule, Schüler*innen, Schulleitung, Eltern, potenziell Partner*innen);
  • Kooperation: Es wird in Teams gearbeitet. Zusammenarbeit spielt eine bedeutende Rolle und wird bewusst entwickelt.
  • Inklusion und Diversität: Keine Personengruppe wird ausgeschlossen; Gremien, Gruppen und Teams sind entsprechend der realen Vielfalt heterogen zusammengesetzt.
  • Verständigungsorientierung: Informationen und Kommunikationsprozesse sind darauf angelegt, echte Verständigung zwischen den Beteiligten zu ermöglichen.
  • Anerkennung und Wertschätzung: Die Anerkennung der Gleichwertigkeit aller Menschen drückt sich im alltäglichen Umgang miteinander aus, unabhängig von Status, Alter, Geschlecht, Behinderung, Herkunft oder anderen Faktoren.

Die 3 D in der Schulentwicklung

Die drei D´s in diesem Projekt stehen für demokratisch, diversitätssensibel und diskriminierungskritisch. Die Sichbarmachung der 3 D´s in der Schulentwicklung steht für gelebte Demokratie in der Schule.

Was aber steht hinter den wohlklingenden Begriffen?

Erstes D wie Demokratie - gelebte Demokratie

Mit dem Begriff „Demokratie“ wird zunächst oft die Regierungs- bzw. die Staatsform verbunden. Sprechen wir im Zusammenhang von Demokratiepädagogik und demokratischer Schulentwicklung aber von Demokratie, so verbindet sich damit ein sehr viel breiteres Verständnis. Mit dem Philosophen John Dewey gesprochen ist Demokratie nicht allein eine Regierungsform, sondern in erster Linie auch eine Form der gemeinsam und miteinander geteilten Erfahrung. Dabei geht es um die Qualität des Miteinanders zwischen Menschen, um die Art und Weise, wie auch im alltäglichen Zusammenleben miteinander umgegangen wird. Und es geht darum, dass Demokratie nicht bedeutet nur darüber zu sprechen, sondern sie durch tatsächliches Tun zu leben und zu erfahren.

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Zweites D wie Diversity bzw. Diversitätssensibilität

Das englische Wort Diversity ist der Ausdruck für das Vorhandensein einer Vielfalt an Unterschiedlichkeiten zwischen Menschen. Damit gilt der Diversity-Ansatz als eine Weiterentwicklung antirassistischer und interkultureller Pädagogik: Er macht auf die Mannigfaltigkeit unterschiedlicher individueller und kollektiver Identitäten aufmerksam, etwa bezogen auf Herkünfte, Ethnizitäten, Religionen, Geschlechter, sexuellen Orientierungen, Alter, Behinderungen und etlichen anderen Aspekten.

Das Konzept von Diversity verwirft dabei jedoch Klassifizierungen jeglicher Art und fokussiert stattdessen die Achtung der Individualität eines jeden Menschen im Sinne der Kinder- und Menschenrechte. Individuelle und plurale Identitäten, Lebensentwürfe und Lebenswelten werden dabei nicht nur als normal betrachtet, sondern stärker noch: Vielfalt wird als ein Mehrwert geachtet und als gesellschaftliche Ressource wertgeschätzt.

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Drittes D wie Diskriminierungskritik bzw. Antidiskriminierung

Gesellschaftliche Vielfalt ist heute Realität in den meisten Klassenzimmern. Schulen als Ort der Wissensvermittlung, der Persönlichkeitsentfaltung und der Berufsvorbereitung haben die Aufgabe, die Themen Vielfalt und (Anti-)Diskriminierung in Unterricht und Schulleben einzubeziehen und für sie zu sensibilisieren. Als Ort der Kommunikation und Begegnung tragen Schulen auch Verantwortung dafür, Diskriminierung im Umgang miteinander abzubauen, Betroffene zu unterstützen und diskriminierendes Verhalten gegebenenfalls zu sanktionieren. Die Repräsentativbefragung der Antidiskriminierungsstelle zu Diskriminierungserfahrungen in Deutschland ergab, dass 23,7 Prozent aller Befragten in den letzten zwei Jahren Diskriminierungen im Bildungsbereich erlebt haben (ADS 2016).

Die Schulentwicklung in 3 D bieten den Schulen Unterstützung bei der Entwicklung einer Strategie gegen Diskriminierung und bei der Erarbeitung von Handlungsroutinen bei Diskriminierungsvorfällen.

 

Rollen und Aufgaben der Schulberater*innen in dem Projekt

Jeweils zwei Schulberater*innen begleiten die Akteure einer Schule auf ihrem Weg einer demokratischen, diskriminierungskritischen und diversitätssensiblen Schulentwicklung. Ihre Aufgabe liegt in erster Linie in der Unterstützung der Steuergruppen und kann – nach Bedarf und Absprache – verschiedene Tätigkeiten umfassen. So z.B. die

  1. Moderation und Prozessbegleitung von Steuergruppensitzungen und/oder Studientagen;
  2. Beratung von Schulleitungen und Steuergruppen zu den Möglichkeiten und Wegen demokratischer, diskriminierungskritischer und diversitätsbewusster Schulentwicklung;
  3. Konzepterstellung von z.B. Studientagen, schulinternen Fortbildungen oder anderen Gruppenformaten zum Thema 3D-SE.

Zugleich sind die Berater*innen-Tandems Teil einer Expert*innengruppe, in der verschiedene weitere Kompetenzen aus dem Feld der 3D-Schulentwicklung versammelt sind.

Ergänzende Angebote

In Abhängigkeit von den Bedarfen der schulischen Akteure können die Berater*innen zusätzlich

  • selbst Fortbildungen oder Trainings zur Demokratieförderung in den Schulen anbieten und/oder
  • Expert*innen und potenziell zivilgesellschaftliche Partner*innen im Feld Demokratiepädagogik und Schulentwicklung vermitteln.

Diese ergänzenden Angebote unter A) und B) sind jedoch nicht in vollem Umfang Teil des Projektes und bedürfen eine (Ko-) Finanzierung durch die Schule.

Mögliche Formate

Der 3D-Schulentwicklungsprozess in den Schulen kann realisiert werden z.B. durch die Umsetzung von

  • von Studientagen
  • schulinternen Fortbildungen zu modularisierten Tools
  • einer gemeinsamen Bestandsaufnahme/ Bilanzierungskonferenz (ähnl. Demokratie-Audit) oder
  • einer anderen schulspezifischen Veranstaltung wie z.B. Projekttage / Openspace / Barcamp / Deliberationsforen
  • Vermittlung von Expert*innen anderer NGO´s für Fachtage und schulinterne Tage

gemeinsam mit den Pädagog*innen - oder auch mit Pädagog*innen und Schüler*innen - der Schule zu den Themen der 3D-Schulentwicklung. Die Absprache zu den konkreten Umsetzungsformen und Themen für diese Gruppenveranstaltungen wird in den ersten Steuergruppen-Sitzungen beschlossen.

Am Projekt beteiligte Schulen

  • Biesalski-Schule
  • Goethe-Gymnasium
  • Johanna-Eck-Schule
  • Kastanienbaum-Grundschule
  • Kopernikus-Schule
  • Max-Beckmann-Oberschule
  • OSZ Lotis
  • Sachsenwald-Grundschule
  • Schule in der Köllnischen Heide
  • Stechlinsee-Grundschule
  • Sternberg-Grundschule

Projektverlauf

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt (2019/2020). Wie wir aus Schulentwicklungs-forschung und -praxis wissen, ist Schulentwicklung ein andauernder Prozess. Insbesondere Maßnahmen, die auf eine Veränderung oder Weiterentwicklung der Schulkultur zielen – wie es bei einer demokratischen, diversitätsbewussten und diskriminierungskritischen Schulentwicklung der Fall ist – erfordern eine zielklare und reflektierte Schulentwicklungsarbeit. Wir wollen mit dem Projekt 3D-SE dazu beitragen, demokratische Schulentwicklungsprozesse anzustoßen, auf eine breite Basis zu stellen oder auch zu festigen und zu stärken.

Eine wichtige Voraussetzung in den Schulen ist es, dass dafür eine Steuergruppe gebildet wurde, die aus Lehrkräften, weiteren pädagogischen Fachkräften, Schulleitungsmitgliedern und Schüler*innen besteht. Diese Steuergruppe steuert den Prozess an der Schule und wird von Schulberaterinnen und Schulberatern aus dem Projekt unterstützt und berate

Projektleitung des 3 D - Schulentwicklungsprojekt

Anfragen zu dem Projekt insgesamt an die Gruppenmail:

Gülcan Coskun [guelcan.coskun@degede.de]

Angelika Eikel [Angelika.Eikel@degede.de]

Ulrike Kahn [Ulrike.Kahn@degede.de]

Christa Schäfer[Christa.Schäfer@degede.de]

Kick-off des Projektes 3 D - Schulentwicklung

Der Start fand am 08. Mai 2019 im Medienforum, Levetzowstraße 2, 10555 Berlin statt. Auf die  Projektausschreibung durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie haben sich 12 Schulen beworben.

Galerie Walk – Vorstellung der Steuergruppen-Visionen

Alle Steuergruppenmitglieder arbeiten an den Visionen ihrer Schulen. Im anschließenden Galerie Walk  steht eine Person aus der Kleingruppe den Kolleg*innen aus den anderen Schulgruppen für Fragen zur Verfügung. Alle anderen schauen sich die Ergebnisse des Prozesses an und kommen mit den anderen Kolleg*innen in den Austausch.

Neuigkeiten zum Projekt

DeGeDe-Mitgliederversammlung am 06. Juni 2020 10:30 Uhr

DeGeDe-Mitgliederversammlung am 06. Juni 2020 10:30 Uhr

Wir freuen uns unsere Mitglieder zu unserer ersten digitalen Mitgliederversammlung im Juni einzuladen.