Verantwortungsübernahme

„Und dann wurde gesagt, dass wir das selbst mal machen sollen und selbst verantwortlich sind. Zuerst war ́s nicht einfach. Aber jetzt, wo unser Projekt steht und alles geklappt hat, ist das ein super Gefühl.“

Verantwortungsübernahme bedeutet, dass man bereit ist, sich Rechenschaft über die Folgen eigener Handlungen abzulegen. Dies ist eine Voraussetzung für moralisches und soziales Handeln. Junge Menschen, die in der Schule, in der Gemeinde oder in Hilfsprojekten Verantwortung übernehmen, erlernen daher eine fundamentale Sozialkompetenz. Diese Sozialkompetenz ist eine elementare Ressource unserer Demokratie; sie macht eine gerechte und demokratische Gesellschaft überhaupt erst möglich. Aus Sicht der Demokratiepädagogik ist es bedeutsam, dass die Schule Gelegenheiten bieten, in denen Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen können im Lernarrangement, als Übung, aber auch als „Ernstfall“.

  • Kinder lernen zunächst, Verantwortung für sich selbst und ihren Lernprozess zu übernehmen. Gleichzeitig wird die Verantwortungsübernahme füreinander sukzessive z.B. durch den Klassenrat aufgebaut.
  • Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung durch die Ausübung von Ämtern, für die Schule, die Umwelt, die Gemeinde, die Welt.

Eine starke Engagementkultur an der Schule fördern beispielsweise Service-Learning- Projekte. Schülerinnen und Schüler engagieren sich dabei in außerschulischen sozialen Projekten. Hier wird eine Brücke zwischen Schule und Gesellschaft geschlagen, und durch gesellschaftliches Engagement werden soziale, moralische und demokratische Kompetenzen gestärkt. Kinder und Jugendliche handeln eigenverantwortlich und lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und Folgen ihres Handelns abzuschätzen. Die Kommunikations- und Kritikfähigkeit der Beteiligten, ihre Fähigkeit, Interessengegensätze auszugleichen und Konflikte zu moderieren und zu lösen, wird gestärkt.

Für Kinder und Jugendliche bedeutet Verantwortungsübernahme das Kennenlernen neuer Rollen und Perspektiven und das Erlernen umsichtigen Handelns. Für Pädagog_innen bedeutet die Verantwortungsübernahme durch die Schüler_innen, Verantwortung vertrauensvoll zu delegieren und in der Rolle des Lernbegleiters Kindern und Jugendlichen zu einer Selbstwirksamkeitserfahrung zu verhelfen. Hier einige Bespiele:

  • Themenauswahl und Kursinhalte begründenarbeitsteilige Arbeitsprozesse in Gruppen einführen
  • ein fehlertolerantes Unterrichtsklima kultivieren
  • Arbeitssituation und Situationen der Leistungsbewertung systematisch zu trennen und diese Trennung klar und für die Schülerinnen und Schüler einsehbar und verlässlich durchzuhalten
  • Bewertungskriterien von Lernprozessen, sowohl von Lehrenden als auch von Lernenden
  • Lernprozesse organisieren in kooperativen Gruppen von unterschiedlicher Art und Dauer
  • Themenspezifische und themenübergreifende Projekte
  • Problemorientierten Deliberationsverfahren verantworten
  • Lernkontrakte, Tutorenverträge und Mentorenverhältnisse

Verantwortungsübernahme bringt Anerkennung und motiviert. Das kann sich auch die persönlichen Leistungen steigern, auf jeden Fall wird das Selbstwertgefühl bei Kinder und Jugendlichen verbessert.

Medien: Literatur, Downloads, Links, Videos
  • Dewey, J. (1994): Erziehung durch und für Erfahrung. Stuttgart: Klett.
  • Fauser, P./Meyer-Drawe, K./Luther, H. (Hrsg.) (1992): „Verantwortung“ – Jahresheft X des Erhard Friedrich Verlages, Seelze.
  • Heinrich-Böll-Stiftung und Bildungskommission der Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) (2004): Selbstständig lernen. Bildung stärkt Zivilgesellschaft. Sechs Empfehlungen der Bildungskommission der Heinrich-Böll-Stiftung. Weinheim: Beltz.
  • Himmelmann, G. (2001): Demokratie Lernen als Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform. Schwalbach/Ts: Wochenschau-Verlag.
  • Jonas, H. (1998): Das Prinzip Verantwortung. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
  • Keller, M. (1996): Verantwortung und Verantwortungsabwehr. Zeitschrift für Pädagogik 42,S.  71-81.
  • Piaget, J. (1999): Über Pädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
  • Sennett, R. (1998): Der flexible Mensch: die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin: Berlin Verlag.
  • Stiftung Brandenburger Tor der Bankgesellschaft Berlin (Hrsg.) (2001): Konferenz „Lernziel Verantwortung“. (Jahresheft 2000/2001 der Stiftung Brandenburger Tor).
  • Edelstein; W.: Verantwortung in der eigenverantwortlichen Schule. Berlin.

Jetzt Mitglied werden!

Die DeGeDe lebt von Menschen, die sich für Demokratiepädagogik engagieren.

Machen Sie jetzt mit!

Mehr erfahren

Kontakt

Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V.

Müllerstr. 156a Aufgang 4
13353 Berlin

E-Mail: info@degede.de
Telefon: +49 (0)30 28045134