Selbstwirksamkeit

„Durch das Vertrauen und die Anerkennung, die mir entgegen gebracht wurde, fühlte ich mich geachtet, hatte dadurch mehr Selbstvertrauen und konnte schwierige Aufgaben lösen.“

Das Leben in demokratischen Gesellschaften fordert von Menschen Partizipation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Verantwortungsübernahme ist eine Grundvoraussetzung für den Zusammenhalt in demokratischen Gesellschaften, denn Demokratie „verpflichtet Individuen zu verantwortlichem Handeln…“ (W. Edelstein 2007). Was motiviert Menschen dazu, Verantwortung zu übernehmen? Wie entsteht verantwortungsbewusstes Handeln und welche Rolle nimmt dabei die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ein?

Selbstwirksamkeit ist eine Grundvoraussetzung für Verantwortungsübernahme, weil sie Menschen zur Partizipation bzw. zu bürgerschaftlichem Engagement motiviert: Selbstwirksamkeit gilt „als die subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen auf Grund eigener Kompetenz bewältigen zu können“ (Schwarzer/Jerusalem 2002). Das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung geht auf den Psychologen Albert Bandura zurück, der in seiner um 1970 entwickelten sozial-kognitiven Lerntheorie den Zusammenhang vom Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten (die eigene Kompetenz) mit der Gewissheit etwas „bewirken“ zu können, also gezielt Einfluss auf die Welt nehmen zu können, verdeutlicht (vgl. Bandura 1977, 1994).

Wenn die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die individuelle Grundvoraussetzung für das Engagement und die Verantwortungsübernahme von Menschen ist, folgt daraus, dass Schulen Lernerfahrungen schaffen müssen, in denen Schüler_innen eigenverantwortlich handeln, für dieses Handeln Verantwortung übernehmen, und sich im Blick auf die Ergebnisse als selbstwirksam erfahren.

Eigenständiges Handeln mit dem Bewusstsein der eigenen Wirksamkeit ist aber nicht gleichzusetzen mit isoliertem Handeln; Selbstkompetenz zielt auf das individuelle, verantwortungsbewusste Handeln in gemeinschaftlicher Praxis. Eigenständiges, autonomes Handeln setzt ein hohes Maß an sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten voraus, die im Schulalltag insbesondere durch Projektlernen sowie durch soziales Handeln bzw. Engagement im sozialen Umfeld vermittelt und erprobt werden können. Im Hinblick auf diese Anforderungen muss die Schule Gelegenheiten für selbstständiges Handeln initiieren: Verantwortungsübernahme und Selbstwirksamkeit können besonders gut in Projekten erprobt werden, in deren Rahmen soziales Verstehen und moralisches Urteilen benötigt werden – mit Inhalten und Zielen, die zu sozial verantwortlichem Handeln motivieren.

Medien: Literatur, Downloads, Links, Videos
  • Niebank, K./Scheithauer, H. (2010): Entwicklung evidenzbasierter Grundlagen und Indikatoren für die Evaluation des Modellprojektes „buddY in der Grundschule“. Berlin.
  • Schwarzer, R./Jerusalem, M. (2002): Das Konzept der Selbstwirksamkeit. Zeitschrift für Pädagogik, 44. Beiheft: Selbstwirksamkeit und Motivationsprozesse in Bildungsinstitutionen, S. 28-53.
  • Satow, L./Schwarzer, R. (2003): Entwicklung schulischer und sozialer Selbstwirksamkeitserwartung. Eine Analyse individueller Wachstumskurven. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 50(2), S. 168-181.

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