Schulentwicklung, demokratische

„Man weiß nie, was daraus wird, wenn die Dinge verändert werden. Aber weiß man denn, was daraus wird, wenn sie nicht verändert werden?“ (Elias Canetti)

Alle Schulen entwickeln sich, der Terminus der Schulentwicklung bezeichnet jedoch einen systematischen, zielgerichteten, selbstreflexiven und für die Bildungsprozesse der Schüler_innen funktionalen Entwicklungsprozess von einem Ist-Zustand hin zu einer Professionalisierung der schulischen Prozesse. Das Ziel von Schulentwicklung ist die Verbesserung der Qualität einer Schule als Institution und des formellen Lernens. Demokratisch verfasste Schulentwicklung zielt im Besonderen auf einen demokratisch, partizipativ und inklusiv gestaltet Entwicklungsprozess.

Nach Hans-Günter Rolff ist Schulentwicklung „eine Trias von personaler Entwicklung, Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung.“ (Rolff 2000, S. 14). Auf der Mikroebene gedacht sind hierbei folgende Stichworte wichtig:

  • Personalentwicklung,
  • Unterrichtsentwicklung (wird zunehmend im Rahmen von Inklusion durch Lernentwicklung ersetzt),
  • Teamentwicklung,
  • Organisationsentwicklung,
  • Leitbildung der Schule,
  • Schulprogramm,
  • Institutionelles Lernen,
  • Lernende Organisation und Projektmanagement.
  • Dabei basiert die systemische Schulentwicklung auf der Vorstellung, dass sich das System einer Schule immer dann ändert, wenn sich auch in den Subsystemen von Lehrer_innen und Schüler_innenschaft, Unterricht und Organisation etwas verändert.

Es gibt allerdings keine lineare Kausalkette von Ursache und Wirkung, sondern Wechselwirkungen im System.

Demokratische Schulentwicklung unterstützt Kinder und Jugendliche auch darin, die Umsetzung der Kinder- und Menschenrechte in der Demokratie als Lebens-, Gesellschafts- und Regierungsform einzufordern (Empowerment).

Schulentwicklung kann nicht von außen angeordnet werden, aber sie ist stets zu ermöglichen. Dabei ist ein demokratisch verfasstes Schulmanagement mit folgender innerschulischen Vorgehensweise wichtig:

  • ein partizipatives Vorgehen: Allen an Schule beteiligten Personen wird ermöglicht, am Schulentwicklungsprozess teilzuhaben. Insbesondere die von Kindern bzw. Jugendlichen ausgehenden Impulse zur Veränderung und Innovation werden anerkannt und unterstützt.
  • eine demokratisches Vorgehen: Es werden Verfahren zur Schulentwicklung entwickelt, das eine Verantwortungsübernahme aller beteiligten Personen garantiert.

Ein nützliches Instrument hierzu ist ein Audit, ein kommunikatives Verfahren zur systematischen Qualitätsentwicklung und -verbesserung durch Selbstbewertung und Begutachtung von außen anhand eines Kriterienkatalogs, an dem alle Gruppen in der Schule beteiligt sind. Aufbauend auf den Ergebnissen des Audits können Zukunfts- und Ideenwerkstätten, Open Space-Veranstaltungen oder sogenannte „Wir-Werkstätten“ Kernpunkte in der Entwicklungsarbeit werden. Wir-Werkstätten setzen als Methode unter Zuhilfenahme von wertschätzenden Fragen bei den Stärken einer Schule an, die dann zu konkreten Projekten weiterentwickelt werden. Kontinuität und Geduld sind wichtige Begleiter in dieser Phase des Schulentwicklungsprozesses. Die auftretenden Fortschritte einer Schulentwicklung werden in bestimmten Abständen von allen inner- schulischen Gruppen und externen Prozessbegleitern gemeinsam begutachtet. Schule wird zu einer demokratischen Einrichtung.

Medien: Literatur, Downloads, Links, Videos
  • Bohl, T. et al (Hrsg.)(2010): Handbuch Schulentwicklung: Theorie – Forschungsbefunde – Entwicklungsprozesse – Methodenrepertoire: Theorie – Forschung – Praxis. Stuttgart: UTB.
  • Kempfert, G./ Rolff, H.-G. (2005): Qualität und Evaluation. Ein Leitfaden für Pädagogisches Qualitätsmanagement. Weinheim: Beltz.
  • Rolff, H.-G. (2000): Manual Schulentwicklung. Handlungskonzept zur pädagogischen Schulentwicklungsberatung. Weinheim: Beltz.
  • Ders. (2007): Studien zu einer Theorie der Schulentwicklung. Weinheim: Beltz.
  • Sailmann, G. (2005): Schulische Vernetzung – Slogan oder Schlüsselkonzept der Schulentwicklung? Köln: WiKu.

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