Politische Bildung

„Politische Bildung ist so alt wie das Menschengeschlecht.“ (Kurt Gerhard Fischer)

Menschen sind anthropologisch aufeinander angewiesen, um überleben und sich entwickeln zu können. Politische Bildung fragt existentiell danach, wie verschiedene Menschen lernen können, in Würde, Frieden und Freiheit zusammenzuleben. Um politisches Lernen zu ermöglichen, muss zwischen Politik im weiteren sowie im engeren Sinne unterschieden werden. Ein wesentliches Anliegen der Demokratiepädagogik ist es, soziales, gesellschaftliches und politisches Lernen sinnhaft zu verbinden. Das Erleben von Selbstwirksamkeit in sozialen, gesellschaftlichen und politischen Prozessen ist ein entscheidender Moment politischen Lernens.

Das daraus resultierende Erfordernis, demokratische politische Bildung zu ermöglichen, zielt auf Mündigkeit durch Emanzipation, Aufklärung und Ideologiekritik. Der „Beutelsbacher Konsens“ (1976) sowie das „Magdeburger Manifest der Demokratiepädagogik“ (2005) formulieren Kriterien professionellen politisch bildenden Handelns. Dieses fördert v.a. Perspektivenübernahme, Konfliktfähigkeit, sozialwissenschaftliche Analysefähigkeit, politische Urteilskraft und Partizipationsfähigkeit sowie politischen Handlungswillen.

Die Globalisierung in der Weltrisikogesellschaft trägt zur Ausdifferenzierung der Zielhorizonte politischer Bildung auf lokaler, nationaler, europäischer und weltbürgerlicher Ebene bei. Ein kosmopolitisches Bürgermodell schätzt die Differenzen zwischen Menschen und anerkennt die universellen Menschenrechte voraussetzungslos als Grundlage politischen sowie pädagogischen Denkens und Handelns.

Politikbezogene Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen und Werte werden im gesamten Lebenslauf in informellen und formellen, latenten und manifesten Sozialisationsprozessen erworben. Unpolitische Kinder und Jugendliche kann es deshalb ebenso wenig geben wie unpolitische Erwachsene. Um generationenspezifische sowie entwicklungsbedingte Gesellschafts- und Politikvorstellungen verstehen zu können, benötigen politische BildnerInnen eine professionelle diagnostische Kompetenz.

Kinder und Jugendliche befürworten demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten und möchten sich sozial wie gesellschaftlich engagieren. Eine dringende Aufgabe von Demokratiepädagogik und Politischer Bildung ist es deshalb, „entgegenkommende Lebensformen“ (Jürgen Habermas) zu schaffen, die politische Selbstwirksamkeit ermöglichen.

Politische Bildung fördert demokratiebezogene Kompetenzen mündiger BürgerInnen. Dazu zählen z.B. Perspektivenübernahme, Konfliktfähigkeit, sozialwissenschaftliche Analysefähigkeit, politische Urteilskraft und Partizipationsfähigkeit. Abstraktes und systemisches Denken sowie konsequenter Einbezug von Alternativen ist die Voraussetzung für eine kontextspezifische gesellschaftliche Urteils- und Handlungskompetenz und das Verständnis von Institutionen, Gesetzen und Wirkungszusammenhängen.

Demokratische Politik ist liberal, offen, konfliktträchtig – und gerade deshalb keinesfalls beliebig. Politische Bildung trägt dazu bei, jüngere Generationen auf die Erneuerung einer gemeinsam geteilten Welt vorzubereiten. Dem widerspricht es, Kinder und Jugendliche für die politischen Interessen der Erwachsenen zu funktionalisieren.

Medien: Literatur, Downloads, Links, Videos

Einführungen und Orientierungen

  • Sander, W. (Hrsg.): Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts. 2014.
  • Petrik, A.: Von den Schwierigkeiten, ein politischer Mensch zu werden. Konzept und Praxis einer genetischen Politikdidaktik,  Opladen 2013.
  • Lösch, B. & Thimmel, A., (Hrsg.): Kritische politische Bildung. Ein Handbuch, Schwalbach./Ts. 2010.
  • Aktuelle Perspektiven internationaler politischer Bildung
    Journal of Social Science Education: www.jsse.org
  • Materialien und Informationen zu Veranstaltungen etc.:
    Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung: www.bpb.de

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